
Die Radiologie darf mit Einführung der Koronar-CT als Kassenleistung den Behandlungspfad von KHK-Patient:innen direkt steuern. Diverse Hindernisse gilt es auf diesem Weg allerdings noch zu überwinden.
Präsentationstag: | 14.5.2026 |
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Autor: | kf/ktg |
Sprecher: | Alborz Adeli, Wiesbaden |
Quelle: | RöKo Leipzig 2026 |
Die Koronar-CT (CCTA) ist seit dem 1. Januar 2025 Kassenleistung für Patient:innen mit Verdacht auf eine chronische koronare Herzkrankheit (KHK). Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit zwischen 15 und 50 % soll sie als primäres nicht-invasives Verfahren zur weiteren Abklärung eingesetzt werden. Diese Klientel können Hausärzt:innen seither direkt in radiologische Praxen zur CCTA überweisen.
Erfahrungen aus der radiologischen Niederlassung
Die Radiologie hat damit vom Gemeinsamen Bundesausschuss die neue Aufgabe bekommen, die weitere Therapie zu steuern, so Alborz Adeli, niedergelassener Radiologe aus Wiesbaden. Als Türsteher (Gatekeeper) soll die Radiologie die rein diagnostischen und damit unnötig-invasiven Herzkatheteruntersuchungen verhindern.
Der Bedarf sei riesig, so Adeli, allerdings existieren aus niedergelassener Sicht einige Kontroversen.
Positive Aspekte
Zusätzlich zur starken medizinischen Evidenz für den Nutzen der CCTA sieht Adeli besonders die Erleichterung für Patient:innen positiv: 82% bewerten die CT als angenehm, den Herzkatheter nur 29%; außerdem haben sie weniger Angst während der Untersuchung. 99% bewerten die CT insgesamt mit „gut“ oder „sehr gut“ .
Veränderungen
Wer die CCTA als Kassenleistung durchführen will, muss sein Können nachweisen: sowohl über die Fallzahlen, die technischen Voraussetzungen (³64-Zeilen-CT), wie auch über einen optimierten Workflow . Für letzteren empfiehlt die DRG dringend die Nutzung eines standardisierten Protokolls und die Befundstruktur nach CAD-RADS .
Kontroversen
Dagegen stehen vor allem drei Hauptprobleme, mit denen sich die Niedergelassenen derzeit beschäftigen müssen: Geld, den Kampf darum, wer den Behandlungspfad tatsächlich steuert, und die Gefahr von Zusatzuntersuchungen.
- Geld: die Vergütung ist mit 160 Euro vergleichsweise niedrig für eine Untersuchung, deren (vor allem Plaque-) Befundung zeitaufwendig ist, die hochausgebildeten ärztlichen und MTR-Personals bedarf und die vielfach Investitionen in neue Hard- und Software voraussetzt. „Unter diesen Bedingungen überlegen sich einige Praxen, ob sich das überhaupt lohnt“, so Adeli.
- Patient:innen-Steuerung: Adeli bemängelte, dass die Interdisziplinarität oft noch fehle. Es sei in der momentanen Gemengelage oft noch unklar, wer die Patient:innen steuert.
Zur vernünftigen Steuerung sei außerdem noch eine länderübergreifend gültige Standardisierung der Vortest-Wahrscheinlichkeits-Scores nötig. - Es besteht die Gefahr, dass die Herz-CT nicht als Ersatz, sondern als zusätzliche Untersuchung fehlgenutzt werde und es damit zu einer Mengenausweitung statt einer Reduzierung der Untersuchungen kommt.
Zukunft
Für die Zukunft sieht Adeli ein „CT first“ Modell wie in Großbritannien als gangbar. Dort hat sich gezeigt, dass in Regionen, die primär die CT als Erstuntersuchung nutzen, langfristig weniger gefährliche kardiovaskuläre Ereignisse auftreten .
Die Plaque-Analyse ließe sich mit KI-Modellen zukünftig deutlich beschleunigen . Ein jüngst publiziertes Deep Learning Model zur Plaque-Quantifizierung berichtet von einer Zeitreduktion für die quantitative Plaque-Analyse von 19 Minuten auf 10,7 Sekunden (Chen 2026).
„Wir werden vom Bildgeber zum Strategen“, so Adeli abschließend.
