Die Herzinsuffizienz
Herzinsuffizienz ist keine einzelne pathologische Diagnose, sondern ein klinisches Syndrom mit typischen Leitsymptomen und kann von klinischen Zeichen begleitet sein. Sie beruht auf strukturellen und/oder funktionellen Veränderungen des Herzens, die zu erhöhtem intrakardialem Druck und/oder zu einem unzureichenden Herzzeitvolumen in Ruhe oder unter Belastung führen.
Neben den subjektiv wahrgenommenen Symptomen werden für die Diagnose objektive Hinweise auf eine kardial bedingte pulmonale und/oder systemische Stauung sowie unterstützende diagnostische Untersuchungen herangezogen.

Epidemiologie der Herzinsuffizienz
Die Prävalenz der Herzinsuffizienz nimmt in alternden Bevölkerungen zu; weltweit sind mindestens 26 Millionen Menschen betroffen.
Derzeit beträgt die Inzidenz in Europa etwa 3 pro 1.000 Personenjahre (alle Altersgruppen), bzw. etwa 5 pro 1.000 Personenjahre bei Erwachsenen. In Deutschland waren im Jahr 2023 4,97 % der Bevölkerung an Herzinsuffizienz erkrankt.
Grafik: Herzinsuffizienz: Krankheitshäufigkeit in Deutschland je Geschlecht. Anteil erkrankter Menschen (1-Jahres-Prävalenz) in Prozent (mod. nach 4)
Die Prävalenz nimmt mit dem Alter zu: Von etwa 1 % bei Personen unter 55 Jahren auf über 10 % bei Personen im Alter von 70 Jahren oder älter.

Grafik: Herzinsuffizienz: Krankheitshäufigkeit in Deutschland je Altersgruppe und Geschlecht; Anteil erkrankter Menschen (1-Jahres-Prävalenz) in Prozent (mod. nach 4)
Die Herzinsuffizienz ist in Deutschland die häufigste Einzeldiagnose für eine stationäre Krankenhausbehandlung und eine der zehn häufigsten Todesursachen sowie der Hauptfaktor für den plötzlichen Herztod (über 65.000 Todesfälle pro Jahr).
Formen der Herzinsuffizienz
Die Herzinsuffizienz kann nach verschiedenen Kriterien differenziert werden:
Nach dem Ort des Auftretens:
Linksherzinsuffizienz
Rechtsherzinsuffizienz
- Kombinierte Links- und Rechtsherzinsuffizienz
Nach dem zeitlichen Verlauf:
Chronische Herzinsuffizienz (entwickelt sich über einen längeren Zeitraum)
- Dekompensierte Herzinsuffizienz
Nach der linksventrikulären Ejektionsfraktion:
- Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion, HFrEF:
LVEF < 50 % sowie aktuelle oder vorausgegangene Symptome und/oder Zeichen einer Herzinsuffizienz. - Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion, HFpEF:
LVEF ≥ 50 % sowie aktuelle oder vorausgegangene Symptome und/oder Zeichen einer Herzinsuffizienz. Zusätzlich müssen objektive strukturelle und/oder funktionelle kardiale Veränderungen vorliegen, die mit einer linksventrikulären diastolischen Dysfunktion beziehungsweise erhöhten linksventrikulären Füllungsdrücken vereinbar sind. Erhöhte natriuretische Peptide unterstützen die Diagnose.

Klinische Zeichen der chronischen Herzinsuffizienz
Die klinischen Zeichen der chronischen Herzinsuffizienz sind oft subtil und entwickeln sich schleichend. Im weiteren Verlauf treten zunehmend spezifischere Befunde in den Vordergrund, dazu gehören vor allem:
Erhöhter Jugularvenendruck
Hepatojugulärer Reflux
Dritter Herzton (Galopprhythmus)
Seitlich verlagerter Herzspitzenstoß
Weniger spezifisch sind u.a.:
Tachykardie
Irregulärer Puls
Verminderte Pulsdruckamplitude
Kalte Hände und Füße
Pulmonale Rasselgeräusche
Tachypnoe > 16/min
Cheyne-Stokes-Atmung
Gewebeschwund, Kachexie
Ursachen der chronischen Herzinsuffizienz
Zu den häufigsten Ursachen der chronischen Herzinsuffizienz gehören die koronare Herzkrankheit (KHK) und/oder die arterielle Hypertonie.
Zusammen sind beide Erkrankungen für rund 70 % bis 90 % der chronischen Herzinsuffizienz-Fälle verantwortlich.
Seltenere Ursachen sind u.a.:
Nicht-ischämische Kardiomyopathien
Arrhythmien
Angeborene/erworbene Herzfehler
Perikarderkrankungen
Infektiös
Infiltrativ (Amyloidose, Sarkoidose)
Die Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) ist eine diastolische Dysfunktion mit normaler systolischer Pumpfunktion (LVEF ≥ 50 %). Sie ist charakterisiert durch eine Versteifung des Myokards, sodass sich der Ventrikel nur noch unzureichend füllen kann und macht ca. 50 % der Herzinsuffizienzfälle aus. Diese betrifft häufiger ältere Personen und Frauen und tritt häufiger bei den prädisponierenden Risikofaktoren Adipositas, metabolische Dysfunktion und körperliche Inaktivität auf.

