
Bei Verdacht auf chronische koronare Herzkrankheit können Hausärzt:innen seit 2025 direkt zur Koronar-CT überweisen. Im Gegenzug wollen sie von Radiolog:innen strukturierte Befunde mit klaren, praxisnahen Empfehlungen – und schnell Termine.
Präsentationstag: | 14.5.2026 |
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Autor: | kf/ktg |
Sprecher: | Jutta Bleidorn, Jena |
Quelle: | RöKo Leipzig 2026 |
„Wir versorgen die Bevölkerung“ – mit diesem Satz umriss Jutta Bleidorn, Jena, das Denkmuster der Allgemeinmedizin, das auch bei der Direktüberweisung zur Koronar-CT (CCTA) greift. Dies bedeute zunächst vor allem, zwei Dinge über die Patient:innen herauszufinden: „Hat er was oder hat er nichts?“ und „Muss er in die nächste Versorgungsebene?“
Wichtig ist, abwendbar gefährliche Verläufe auszuschließen“, so Bleidorn. Gleichzeitig gelte es, die Patient:innen vor Über- wie vor Unterversorgung zu schützen.
Vortestwahrscheinlichkeit mit Marburger Herzscore
Neben Anamnese und den üblichen funktionellen und Labor-Untersuchungen nutzen Hausärzt:innen zunehmend den Marburger Herzscore, um die Vortestwahrscheinlichkeit zu ermitteln. Mittels fünf schnell erfassbarer Kriterien zeigen sie, wie wahrscheinlich eine KHK als Ursache von Schmerzen im Brustkorb vorliegt:
Kriterium | Antwort (Punktzahl) | Antwort (Punktzahl) |
|---|---|---|
Alter und Geschlecht: | Ja (1Punkt) | Nein |
Sind die Schmerzen abhängig von körperlicher Belastung? | Ja (1Punkt) | Nein |
Ist bereits eine vaskuläre Erkrankung bekannt (z.B. KHK, pAVK, Schlaganfall, TIA)? | Ja (1Punkt) | Nein |
Sind die Schmerzen durch Palpation reproduzierbar? | Ja | Nein (1 Punkt) |
Vermutet der Patient eine Herzkrankheit als Ursache der Thoraxbeschwerden? | Ja (1Punkt) | Nein |
Bei ≥3 Punkten (Vortestwahrscheinlichkeit ~15–20 %) kann seit 2025 im Rahmen der GKV-Regelversorgung die hausärztliche Überweisung zur CCTA erfolgen.
Was wünschen sich Hausärzt:innen von der Radiologie?
Schnelle Verfügbarkeit
- Verfügbarkeit: Die radiologischen Praxen müssen ausreichend GKV-Termine vorhalten.
- Die Termine müssen zügig und nah genug verfügbar sein. Für viele Patient:innen sei der Anfahrtsweg mitentscheidend.
Klare Befunde
Um die Koronar-CT als Versorgungspfad zu etablieren, hält Bleidorn vor allem folgende Aspekte für nötig:
- Klinische Aussage
- Relevante KHK ja oder nein bzw. wie wahrscheinlich?
- Hinweis auf akut relevante Befunde: Gefahr eines ACS/Infarkt?
- Welcher Schritt sollte als nächstes erfolgen?
- Standardisierte Angaben zu
- Anzahl betroffener Gefäße/Stenosegrade
- Relevanz von Plaque-, Kalk- und Zusatzbefunden
- Praxisnahe Empfehlungen
- Ausschluss relevante KHK?
- Beobachten und Risikofaktoren optimieren?
- Weitere, invasive Diagnostik nötig?
- Vorstellung Kardiologie oder Kardiochirurgie/Herz-Board?
- Idealerweise auch in patient:innengerechter Sprache
Wie häufig ist die KHK in der Hausarztpraxis?
Die KHK in der Hausarztpraxis ist seltener als meist angenommen. Nur knapp ein Prozent aller Patient:innen kommt wegen Brustschmerz in die Hausarztpraxis. US-Daten geben Hinweise darauf, dass davon wiederum nur 2-4% eine instabile KHK oder einen Myokardinfarkt aufweisen. Deutlich häufiger sind das meist durch Muskelverspannungen bedingte vordere Brustwandsyndrom (45%), Atemwegserkrankungen (11%), psychosomatische Beschwerden und hypertensive Entgleisungen; auch Dyspnoe unterschiedlicher Ätiologie ist häufig und mit dem Alter zunehmend.
