Röko Leipzig Messe

Klinisch verwertbare Leberbildgebung bei stark verkürzten Atemanhaltezeiten von nur 6-10 Sekunden ist erreichbar – mit DL-beschleunigten T1-gewichteten VIBE-Sequenzen.

Präsentationstag:

14.5.2026

Autor:

mh/ktg

Sprecher:

Stephan Rau, Uniklinikum Freiburg

Quelle:

RöKo Leipzig 2026

Die kontrastmittelgestützte Leber-MRT erfordert mehrere lange Atemanhaltephasen. Gerade bei gebrechlichen oder dyspnoischen Patient:innen sind diese Untersuchungen anfällig für Bewegungsartefakte.

Radiolog:innen vom Uniklinikum Freiburg haben untersucht, ob sich mit Deep-Learning-beschleunigten VIBE-Dixon-Sequenzen mit verkürzter Atemanhaltedauer eine klinisch akzeptable Bildqualität erzielen lässt. Die verwendeten Sequenzen sind noch in der Entwicklung.

 

DL-Beschleunigung zur Verkürzung des Atemanhalts 

Die beschleunigten Sequenzen verwendeten eine vom Hersteller zu Forschungszwecken bereitgestellte DL-Rekonstruktion mit

  • höherem Beschleunigungsfaktor (6 vs. 4, CAIPIRINHA-Modus)
  • reduzierter in-plane Auflösung und erhöhter Bandbreite
  • bei gleichbleibender partieller Fourier-Akquisition (6/8)

Die DL-beschleunigten Sequenzen wurden im Rahmen der Studie als zusätzliche Forschungssequenzen akquiriert und ersetzten nicht die Standardsequenz.

 

Design der prospektiven Studie

Insgesamt 99 Patient:innen wurden am 1,5T-Scanner untersucht.

Die Untersuchungen erfolgten nach intravenöser Gabe eines extrazellulären gadoliniumhaltigen Kontrastmittels.

MRT-Sequenzen

Akquisition von jeweils drei T1-gewichteten VIBE-Dixon-Sequenzen nach Kontrastmittelgabe

  • Standardsequenz (18 s Atemanhalt)
  • Mittlere DL-beschleunigte Sequenzen (10 s Atemanhalt
  • Stark DL-beschleunigte Sequenzen (6 s Atemanhalt)

Akquisitionsfolge

  • 60 s nach KM-Gabe (Portalvenöse Phase) ➔ Standardsequenz
  • 120 s nach KM-Gabe (frühes Equilibrium) ➔ mittlere DL-Beschleunigung
  • 180 s nach KM-Gabe (frühes Equilibrium) ➔ hohe DL-Beschleunigung

Auswertung

  • Verblindete Beurteilung aller Sequenzen durch drei Radiolog:innen hinsichtlich 
    a) Gesamtbildqualität, b) Bewegungsartefakten, c) sonstigen Artefakten, d) anatomischer Differenzierbarkeit und e) Läsionssichtbarkeit 
  • Likert-Skalen: 1=nicht diagnostisch, 5=exzellent/artefaktfrei
  • Als Grenzwert für die diagnostische Tauglichkeit wurde ein Likert-Score von mindestens 3 definiert.
  • Für jeden Parameter wurde geprüft, ob die beschleunigten Sequenzen gegenüber der Standardsequenz innerhalb einer Nicht-Unterlegenheits-Marge von -5% lagen.

     

Wesentliche Ergebnisse – Verkürzung um bis zu 67% machbar 

Die Standardsequenz wurde für anatomische Differenzierbarkeit, Läsionssichtbarkeit und Gesamtbildqualität signifikant höher bewertet (p<0,001). 

Differenzierbarkeit

Läsionssichtbarkeit

Gesamtbildqualität

Standardsequenz 
(18 s Atemanhalt)

5

5

4

DL-beschleunigte 
Sequenzen
(10 s Atemanhalt)

4

4

4

DL-beschleunigte 
Sequenzen
(6 s Atemanhalt)

4

4

4

  • Der Schweregrad der Bewegungsartefakte unterschied sich zwischen den Sequenzen nicht.
  • DL-typische Artefakte traten häufiger auf. Sie führten aber nicht zum Verlust der diagnostischen Nutzbarkeit. 
  • Beide DL-Sequenzen – mit mittlerer und mit hoher Beschleunigung – erfüllten die Kriterien der Nicht-Unterlegenheit für die diagnostische Akzeptanz.
     

Fazit

  • Deep-Learning-Beschleunigung reduzierte die Atemanhaltezeit um bis zu zwei Drittel – von 18 auf 6 Sekunden.
  • Trotz moderater Einbußen bei Differenzierbarkeit und Läsionsabgrenzung zeigte sich die diagnostische Akzeptanz im Vergleich zur Standardsequenz als nicht-unterlegen.

Die Arbeit ist kürzlich im European Journal of Radiology publiziert worden.


    • 1
      Rau S et al. Reduktion der Atemanhaltedauer in der Leber-MRT: Klinische Performance von Deep-Learning-beschleunigten post-KM T1-VIBE-Sequenzen. European Journal of Radiology, 2026; 199