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LGE im Vorhofseptum als Kennzeichen kardialer Amyloidose

European Journal of Radiology

Ein intensives Late Gadolinium Enhancement des anterioren Vorhofseptums zeigt sich als hochspezifischer Zusatzmarker für die kardiale Amyloidose in Abgrenzung zur hypertrophen und dilatativen Kardiomyopathie

Journal:

Eur J Radiol. 2026 Aug 31;205:113204

Titel:

Cardiac MRI identifies interatrial septum late enhancement as a hallmark of amyloidosis

Autor: 

Menard A et al.
Zur Originalstudie

Fazit – LGE im anterioren Vorhofseptum hochspezifischer 
Zusatzmarker

Ein intensives Late Gadolinium Enhancement (LGE) des anterioren Vorhofseptums ist ein hochspezifischer Zusatzmarker für die kardiale Amyloidose gegenüber der hypertrophen (HCM) und der dilatativen Kardiomyopathie (DCM). Fehlt ein solches LGE, schließt dies eine kardiale Amyloidose nicht aus.

Im Rahmen der kardialen MRT kann das systematische Erfassen des LGE im anterioren Vorhofseptum die diagnostische Abgrenzung zwischen einer kardialen Amyloidose und anderen Kardiomyopathie-Phänotypen verbessern.
 

Hintergrund – typische, aber wenig spezifische Befunde der kardialen Amyloidose

Die kardiale Amyloidose zeigt in der kardialen MRT typische, aber nicht sehr spezifische Befunde. Dazu zählen ein diffuses ventrikuläres Late Gadolinium Enhancement (LGE) und erhöhte native T1-Werte. 

Ob die zusätzliche Beurteilung des Vorhofseptums und der Vorhofwände die Abgrenzung gegenüber HCM und DCM verbessert, haben Audrey Menard, Universität Angers/Frankreich, und Kolleg:innen untersucht.
 

Methodik der retrospektiven, monozentrischen Studie

  • 159 Patient:innen
    55 mit kardialer Amyloidose und jeweils 52 mit HCM und DCM
  • MRT bei 1,5 oder 3 Tesla mit routinemäßigen CINE, T1-/T2-gewichteten und PSIR-Sequenzen zur LGE-Beurteilung
  • Beurteilung des vorderen und hinteren Vorhofseptums relativ zur Fossa ovalis im Vierkammerblick
  • Visuelle dreistufige Klassifikation des LGE: fehlend, vorhanden oder intensiv.
    (intensiv = Signalintensität im Vorhofseptum ≥ ventrikuläres LGE)
  • Befundung verblindet gegenüber klinischen Daten
     

Wesentliche Ergebnisse

Ein LGE im anterioren Vorhofseptum fand sich bei 

  • 83,3% der Patient:innen mit kardialer Amyloidose
  • 15,4% bei HCM 
  • 26,9% bei DCM

Für den Nachweis einer kardialen Amyloidose erreichte das anteriore Vorhofseptum-LGE

  • eine Sensitivität von 83,3%
  • eine Spezifität von 78,8% 
  • eine AUC (area under the curve) von 0,862

Als besonders aussagekräftig erwies sich das intensive LGE im anterioren Vorhofseptum: Es zeigte sich bei 55,6% der auswertbaren Fälle mit kardialer Amyloidose (30/54), aber jeweils bei nur einem HCM- und DCM-Patienten.

Die Spezifität des intensiven anterioren Vorhofseptum-LGE betrug 98,1%, der positive Vorhersagewert innerhalb der Studienkohorte 93,8%. 

Das LGE im posterioren Vorhofseptum war auch bei den Vergleichserkrankungen häufig und damit weniger diskriminierend.

Die Septumdicke allein erlaubte keine verlässliche Abgrenzung.
 

Klinische Relevanz

Bei der Routinebefundung der kardialen MRT sollten insbesondere das anteriore Vorhofseptum und die Vorhofwände systematisch auf LGE geprüft werden, so die Autor:innen. Dabei ist ein LGE im Vorhofseptum sorgfältig von Fett abzugrenzen, betonen sie. Denn ein lipomatöses Vorhofseptum kann auf PSIR-Bildern ebenfalls hell erscheinen und erfordert den Abgleich mit anderen Sequenzen.

Ein LGE im anterioren Vorhofseptum kann den Amyloidoseverdacht im Zusammenspiel mit ventrikulärem LGE, Mapping und Morphologie stärken, ersetzt aber nicht die weiterführende ätiologische Abklärung, so die Autor:innen.