
| 13.5.2026 |
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| mh/ktg |
| Anika Jasmin Heuer, Radiologische Allianz Hamburg |
| RöKo Leipzig 2026 |
MRT in der Schwangerschaft – Viele sind unsicher
„MRT in der Schwangerschaft, das ist für viele im niedergelassenen Bereich noch immer ein heikles Thema“, sagte Anika Jasmin Heuer, Radiologin in einem großen Hamburger Praxisverbund. Insbesondere die MRT im ersten Trimenon sorge bei Radiolog:innen und MTR für Verunsicherung.
Konsequenz dieser Unsicherheit: Im ambulanten Sektor tendiert man dazu, die MRT von Schwangeren zu vermeiden bzw. auf klinische Notfälle zu beschränken. Schwangere mit Beschwerden, die kein akuter Notfall sind, finden daher häufig keinen Untersuchungstermin in der Niederlassung.
Studie aus Ontario: Kein höheres Risiko für Föten/Kleinkinder
Eine große retrospektive Studie aus Ontario, Kanada, hat schon 2016 aussagekräftige Daten vorgelegt, die für Klarheit sorgen:
- Geburtenregister von Ontario – Identifikation aller Geburten aus den Jahren 2003-2015
- 1.737 Schwangere erhielten eine MRT im 1. Trimenon
- Vergleichsgruppe: mehr als 1 Million Schwangere ohne MRT im 1. Trimenon
- Verglichen wurden: Totgeburt/Säuglingssterblichkeit der ersten 28 Tage, kongenitale Anomalien sowie Neoplasmen, Hörverlust, Visusverlust innerhalb der ersten vier Lebensjahre.
Umgang mit dem Problem in Hamburger Praxisverbund
Um sinnvolle MRT-Untersuchungen Schwangerer nicht zu behindern oder zu vermeiden, sei gute Aufklärung entscheidend, so Heuer. Mit MRT-Terminanfragen Schwangerer geht ihr Praxisverbund folgendermaßen um:
- Terminanfrage erfolgt über das Telefon Service Center.
- Überweisungsschein, Unterlagen und Fragestellung werden per E-Mail übermittelt.
- Praxis prüft die Sinnhaftigkeit der Indikationsstellung – könnte es therapeutische Konsequenzen noch vor der Geburt geben?
- Feedback vom Fachpersonal an die Anmeldung zwecks Terminierung oder Absage mit Erläuterung an Patientin.
- Die Anmeldung terminiert die Untersuchung und übermittelt Informationsmaterialien zur Untersuchung.
- Am Untersuchungstag gibt es ein kurzes ärztliches Gespräch.
„Dieser Umgang mit Schwangeren ist ein gewisser Mehraufwand, aber zugunsten eines wichtigen Untersuchungsangebots“, sagte Heuer. Nicht alle Radiolog:innen im Praxisverbund müssten sich mit dem Thema gleichermaßen gut auskennen – es gibt jeweils eine definierte Person als Ansprechpartner:in, die die Indikationsstellung prüft und dann über Terminvergabe oder Absage entscheidet.
Mehraufwand überschaubar – positive Außenwirkung
„Der Mehraufwand ist aber insgesamt überschaubar“, so Heuer. Man habe etwa eine solche Anfrage pro Woche, tendenziell eher weniger. Aber dieser Umgang mit dem Thema habe eine Außenwirkung: Patientinnen äußern im Nachgang oft ihre Wertschätzung, und die Praxisgemeinschaft erarbeite sich einen guten Ruf für patientinnenorientierte Versorgung.
Fazit: Studienlage kennen und höhere Bereitschaft zeigen
„Wir brauchen im ambulanten Setting eine höhere Bereitschaft zu MRT-Untersuchungen von schwangeren Frauen“, schloss Heuer. Voraussetzung sei eine breite Kenntnis der aktuellen Studienlage.
