So lässt sich die Qualität der Prostata-MRT systematisch verbessern
| 04.05.2026 |
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| European Radiology 2026 |
| Prostate MRI quality improvement: a Roadmap from the ESUR Prostate MRI Working Group |
| Dias Ab et al. on behalf of the ESUR Prostate MRI Working Group |
Hintergrund
Die MRT der Prostata ist zu einem wichtigen Tool für Diagnose und Behandlung von Prostatakrebs geworden. Sie trägt dazu bei, unnötige Biopsien zu vermeiden und die Detektion klinisch signifikanter Läsionen zu verbessern.
Noch wird ihr klinisches Potenzial oft nicht ausgeschöpft, weil Akquisition, Befundung und Dokumentation zu uneinheitlich gehandhabt werden.
Die Arbeitsgruppe ‚Qualitätsverbesserung der Prostata-MRT’ der ESUR (European Society of Urogenital Radiology) hat nun ein Konzept zur Qualitätsverbesserung in drei Schritten vorgelegt.
Schritt 1: Grundlagen für technische Exzellenz schaffen
- Die technischen Standards von PI-RADS v2.1 (Prostate Imaging Reporting and Data System) sind einzuhalten.Dazu gehören:
- Hochauflösende T2-gewichtete Bildgebung in mindestens zwei Ebenen (axial + koronal und/oder sagittal)
- Axiale diffusionsgewichtete Bildgebung (DWI) mit hohen b-Werten (≥1400 s/mm²) und ADC-Map
- Axiale dynamische kontrastverstärkte Bildgebung für die multiparametrische MRT
- Die Qualität der MRT-Untersuchung ist objektiv zu bewerten.Grundlage dafür ist der PI-QUAL-Score v2 (Prostate Imaging Quality):
- Die qualitative Bewertung der Prostata-MRT orientiert sich an technischen und visuellen Kriterien, die nur für normales Gewebe gelten. Tumorgewebe ist explizit nicht Teil der Qualitätsbeurteilung.
- Nur PI-QUAL-Scores von 2 oder 3 sollten als diagnostisch angesehen werden. Ein Wert von 1 steht für unzureichende diagnostische Qualität – in diesem Fall sollte kein PI-RADS- oder Likert-Score vergeben werden.
- Artefakte sind systematisch zu reduzieren:
- Patientenvorbereitung: Maßnahmen zur Verringerung von Rektalgasen und zur Unterdrückung der Darm-Motilität
- Technische Empfehlungen: 3T-Scanner ohne endorektale Spule ist zu bevorzugen, sofern Suszeptibilitätsartefakte minimiert werden können.
- biparametrische vs. multiparametrische MRT: Auf Kontrastmittel sollte nur verzichtet werden, wenn Bildqualität und Beurteilungsgenauigkeit zweifelsfrei ausreichend sind.
Schritt 2: Qualität der Befundung verbessern
- Fachkompetenz aufbauendurch strukturierte Schulungen
- Mindestens 50 bis 150 Fälle unter Supervision vor Erstellung eigenständiger Befunde
- Etwa 400 Fälle als Schwelle für Anfänger
- > 1000 Fälle für Expertenebene
- Kontinuierlich mindestens 150 Fälle pro Jahr, um Fachkompetenz aufrechtzuerhalten
- Strukturierte Befundungmit Angabe von
- Prostatavolumen (für die PSA-Dichte)
- Beschreibung von bis zu vier verdächtigen Läsionen
- Für jede Läsion Angabe von Lage, Größe in Millimetern, PI-RADS-Kategorie und extraprostatischer Ausdehnung
- Institutionelle Kennzahlen zur Qualitätssicherung
- Anteil der als PI-RADS 3 eingestuften Untersuchungen als pragmatischer, biopsieunabhängiger Qualitätsindikator
- Weniger geeignet: Prostatakarzinom-Detektionsraten – sie sind stark beeinflusst von der Überweisungspraxis und der klinischen Entscheidungsfindung
- Wichtig: Nicht-diagnostischen Untersuchungen mit einem PI-QUAL-Score von 1 sollte man nicht aus Verlegenheit einen PI-RADS-3-Score zuweisen, sondern sind sie als nicht diagnostisch bewerten.
- Multidisziplinäre Zusammenarbeit
Schritt 3: Neue Technologien fördern
- KI-gestützte Qualitätssicherungfür Echtzeit-Compliance und Artefakt-Erkennung weiter erforschen
- KI-gestützte Rekonstruktionevaluieren, um Signal-Rausch-Verhältnis und Rauschunterdrückung zu verbessern
- Herstellerneutrale, PACS-integrierte Dashboardsentwickeln
- Untersuchen, wie sich die Bildqualität auf die KI-Leistung in der Karzinom-Detektion auswirkt
- Cloud-basierte Benchmarking- und Fernüberwachungsmodelleerproben, um Protokolle zu vereinheitlichen und den Zugang zu Fachwissen zu erleichtern