ECR 2026 – Wann kontrastverstärkte Mammographie, wann Mamma-MRT?

| 7.3.2026 |
|---|---|
| mh/ktg |
| Paola Clauser, Medizinische Universität Wien |
| ECR 2026 – RC 1702 |
Vorzüge von CEM und MRT
Für die kontrastverstärkte Mammographie (CEM) sprechen zunächst ihre geringeren Kosten und ihre gute Verfügbarkeit. Für die Mamma-MRT sprechen ihre Strahlenfreiheit und der hohe Weichteilkontrast.
Für eine multiparametrische MRT der Brust mit verkürztem Protokoll genügt eine Untersuchungszeit von unter 15 Minuten. Das gilt auch für ältere 1,5T-Geräte, so Paola Clauser. Zeitintensiv, weil kaum zu beschleunigen, bleibt das Vorbereiten und Positionieren der zu untersuchenden Person.
CEM vs MRT: Systematische Reviews
CEM: Zuverlässig in der Detektion
MRT: Vorteile in der Charakterisierung
Direkte Vergleichsstudien zwischen CEM und MRT nahmen Neeter et al. in ihrem Review von 2022 unter die Lupe. Die meisten eingeschlossenen Studien verglichen beide Modalitäten in einem Screening-Setting. Ihr Fazit: Die gepoolte Sensitivität war für beide Modalitäten hoch, bei moderater Spezifität. Die gepoolten Schätzungen der diagnostischen Odds Ratio deuten auf ein höheres diagnostisches Potenzial der Brust-MRT hin.
„Allerdings gilt es noch herauszufinden, wann CEM und wann die MRT die erste Wahl sein sollte“, so Clauser. „Für die Detektion ist CEM wirklich gut“, so Clauser, „aber wenn es eher um Charakterisierung von Läsionen geht, ist die MRT vorzuziehen.
Recall im Screening
CEM: Kann die Anzahl von Folgeterminen für wiedereinbestellte Frauen reduzieren
Bei im Screening erneut einbestellten Frauen (Recall) untersuchten Neeter et al. das Potenzial der CEM im Vergleich zum konventionellen Workup mit Ultraschall, MRT, Biopsie. „Die gute Nachricht: Mit unserem konventionellen Workup arbeiten wir sehr gut und detektieren in der Regel das, was wir suchen“, so Clauser. „Aber ein großer Vorzug der CEM besteht darin, dass wir die betroffenen Frauen weniger oft einbestellen müssen und ihnen damit zusätzliche Belastungen ersparen können.
Symptomatische Frauen
CEM: Gut für tastbare Befunde
MRT: Vorteile bei Verdacht auf entzündliche Prozesse
Die MRT kommt primär zum Einsatz, wenn Verdacht auf eine Läsion besteht und andere Modalitäten diesen nicht bestätigen oder ausschließen können.
„Vor allem für tastbare Befunde ist die CEM eine sehr gute Option“, so Clauser. „Denn sie ist schnell, und wenn sie negativ ist, ist kein weiteres Handeln erforderlich. Sollte sie positiv sein, hilft sie die Lokalisation für die Biopsie zu finden.“
Bei Verdacht auf einen entzündlichen Prozess ist die MRT zu bevorzugen. Das sei auch in Fällen von Mamillensekretion zu empfehlen.
Screening bei dichtem Brustgewebe
CEM + MRT bei dichtem Brustgewebe besser als Ultraschall
„Nachdem wir die letzten sechs oder sieben Jahre über die DENSE-Studie gesprochen haben, sprechen wir nun über die BRAID-Studie“ (Referenz: Gilbert 2025), so Clauser, denn BRAID liefere belastbare Zahlen.
Wichtigste Botschaft: Bei dichtem Brustgewebe sollte Ultraschall gar nicht zum Einsatz kommen, sondern gleich ein kontrastverstärktes Verfahren. Das gilt auch für das Screening, so Clauser.
Unerwünschte Ereignisse im Screening
CEM: Deutlich mehr unerwünschte Ereignisse
MRT: Kaum unerwünschte Ereignisse
Die BRAID-Studie liefert auch Erkenntnisse über die unterschiedlichen Raten unerwünschter Nebenwirkungen von CEM und MRT:
Während die Nebenwirkungsrate für die MRT „gegen Null“ ging (0,5 auf 1.000 Untersuchungen, bedingt durch einen einzelnen Fall von Extravasation), lag sie für die CEM bei 11,8 auf 1.000 Untersuchungen (überwiegend geringe und moderate).
„Das sollten wir auf jeden Fall mit berücksichtigen, wenn wir darüber nachdenken, die CEM für alle Frauen mit dichtem Brustgewebe einzusetzen“, so Clauser.
Staging: Vergleichende Studien zu CEM und MRT
CEM: Geeignet für Staging
MRT: Bei starkem Background-Enhancement zu bevorzugen
Einige Studien zeigen, dass die MRT mehr zusätzliche Läsionen findet als die CEM – dies allerdings auf Kosten vermehrter falsch-positiver Befunde, so Clauser. Spätere Studien konnten die höhere Detektionsrate der MRT nicht immer bestätigen.
Für das Staging des invasiven lobulären Karzinoms legte Clauser den Einsatz der CEM nahe, andere Wissenschaftler:innen würden hier aber die MRT bevorzugen (Referenz: Nijnatten 2019).
Grundsätzlich gelte aber, so Clauser: Wenn bei dichtem Brustgewebe ein kontrastverstärktes Verfahren zum Einsatz kommen soll, ist die CEM ein sehr geeignetes Verfahren. Im Falle von starkem Background-Enhancement könne man zur MRT wechseln.
Um die Tumorgröße zu bestimmen, sind beide Modalitäten gut geeignet, wie zahlreiche kleinere Studien zeigten.
Ansprechen auf neoadjuvante Chemotherapie
CEM + MRT: Geeignet für Beurteilen des Therapieansprechen; schwache Studienlage
Zur Wertigkeit von CEM und MRT beim Beurteilen des Ansprechens auf eine neoadjuvante Chemotherapie gibt es einige Studien und einen Review – alle mit eher geringen Fallzahlen. Beide Modalitäten werden als geeignet angesehen, aber es fehlen Daten um zu entscheiden, ob für bestimmte Tumor-Subtypen die CEM oder die MRT Vorteile bietet.
Fazit – CEM versus CE-MRT
Frauen akzeptieren in der Regel die CEM eher als die MRT – mit Ausnahme jener Frauen, für die die Kompression der Brust besonders schmerzhaft ist.
CEM weist eine gute Sensitivität auf: „Ich würde sie auf jeden Fall empfehlen bei dichtem Brustgewebe mit Verdacht auf eine Läsion, insbesondere bei Raumforderungen“, so Clauser. Bei Verdacht auf ein invasives lobuläres Karzinom, Erkrankungen der Brustwarze und bei intraduktalen Erkrankungen bevorzuge sie die MRT.
