Kindgerechte Aufklärung (Disease Management Programme)
Eine kindgerechte Aufklärung im Rahmen von Disease Management Programmen, wie beispielsweise durch digitale Gesundheits-Apps, würde das medizinische Personal entlasten und die Koordination des Betreuungsteams durch erhöhte Transparenz verbessern. Momentan dienen elektronische Patientenakten (ePA) als nützliches Werkzeug zur Sammlung relevanter Gesundheitsdaten, die dem medizinischen Personal zur Verfügung stehen. Ein weiterführendes Ziel ist die Entwicklung von "Personal Health Records" (PHR), die eine vollständige Patient*innenhistorie bieten und den Patient*innen eigenständig ermöglichen ihre relevanten Gesundheitsdaten mit Personen ihrer Wahl zu teilen – unabhängig von ihrer Profession. Somit wäre es auch möglich Eltern und anderen wichtigen Bezugspersonen die nötigen Informationen zur Verfügung zu stellen, was ein besseres Verständnis und eine erhöhte Sicherheit durch zusätzliche Sensibilisierung für die Situation der Kinder bedeutet. Die Digitalisierung trägt dazu bei, Informationen schnell und übersichtlich verfügbar zu machen, wodurch eine frühzeitige Erkennung und Prävention von Schmerzen und Blutungen ermöglicht wird und damit eine insgesamt bessere Versorgung der Patient*innen gewährleistet wird.
Schulung und Kompetenzförderung
Um die Versorgung von Hämophilie-Patient*innen zu verbessern, ist es entscheidend, auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Regelmäßige Schulungen können dabei helfen aktuelle Therapiemöglichkeiten kennenzulernen und einen besseren Umgang mit den Kindern und ihren Familien zu ermöglichen. Davon profitiert nicht nur das medizinische Fachpersonal, auch andere Personen im sozialen Umfeld der Kinder können durch Erwerb von Zusatzkompetenzen zu einer effektiveren Versorgung der Patient*innen beitragen. Krankheitsaufklärung, Behandlungsmanagement, kommunikative Fertigkeit, Verhalten in Extremsituationen, Möglichkeiten zur Personalisierung der Therapie etc. sind für beide Seiten hilfreich zu wissen. Dadurch wird nicht nur die Behandlung verbessert, sondern auch Kosten gesenkt – direkter (z.B. weniger Krankenhausaufenthalte) und indirekter (z.B. weniger verpasste Schultage) Natur.
Das ärztliche Personal
Es gibt nur wenig Spezialisierung allgemein, dabei ist die Zusammenarbeit in einem multidisziplinären Team entscheidend, um optimale Versorgungsbedingungen zu schaffen. Optimalerweise sollte ein*e Hämophilie-Patient*in stets durch folgende Personen betreut werden:
- Hausarzt / Hausärztin
- Hämostaseolog*in
- Schmerzexpert*in
- Orthopäd*in mit Spezialisierung auf Hämophilie
- Physiotherapeut*in
- Psychologische Hilfskraft
- Pflegefachkraft ggf. mit Weiterbildung zur Hämostaseologie Assistenz
Bei 67 % der Patienten fehlt jedoch psychologische Hilfe in Form von Beratung oder Seelsorge nach einer Erstdiagnose. Auch die Rolle der Pflegefachkräfte und der Hämostaseologie-Assistenten ist noch nicht vollständig entwickelt, obwohl sie als erste direkte Kontaktpersonen zwischen Arzt und Patient*in fungieren. Sie kombinieren klinische Expertise mit praktischen Fähigkeiten und Kommunikation, was besonders in akuten Situationen und Notfällen wichtig ist. Sie können durch ihre Nähe eine kontinuierliche Überwachung ermöglichen, die auch den Therapieerfolg sicherstellt. Eine Förderung des Pflegepersonals ist daher notwendig, um eine bessere und sicherere Versorgung der Patient*innen zu gewährleisten.