Risikofaktoren & Folgen bei Vorhofflimmern
Risikofaktoren für Vorhofflimmern
Vorhofflimmern selbst ist eine Erkrankung des Herzens. Dabei ist der Pumprhythmus der Vorhöfe gestört. Allerdings kann Vorhofflimmern selbst auch durch andere Krankheiten des Herzens oder des Kreislaufs begünstigt oder ausgelöst werden.
Die wichtigsten Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen, die im Zusammenhang mit Vorhofflimmern beachtet werden müssen, sind:
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Erkrankungen der Herzklappen
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzerkrankung)
- Diabetes mellitus
Herzschwäche
Das Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken, hängt auch vom Schweregrad einer schon bestehenden Vorerkrankung des Herzens ab. Leiden Patienten beispielsweise an einer Herzschwäche, also an einer Pumpminderleistung des Herzens, steigt bei diesen in Abhängigkeit vom Ausmaß der Pumpschwäche das Risiko für das Auftreten von Vorhofflimmern.
Ärzte teilen den Schweregrad der Herzschwäche in vier Stadien ein, die sogenannten NYHA-Stadien I (leicht) bis IV (schwer). Je schwerer die Herzschwäche, desto höher ist das Risiko, an Vorhofflimmern zu erkranken. Das Risiko kann im Stadium IV, in welchem Patienten schon im Ruhezustand Beschwerden wie Luftnot entwickeln können, auf bis zu 50 % ansteigen.

Herzklappenerkrankungen
Herzklappen regulieren den Blutstrom im Herzen. Fehlfunktionen und Erkrankungen der Herzklappen werden häufig im Zusammenhang mit Vorhofflimmern und auch mit Schlaganfall beobachtet. Gut ein Drittel der Patienten mit Vorhofflimmern hat eine Herzklappenerkrankung. Besonders häufig ist die sogenannte Mitralklappe betroffen. Diese Klappe reguliert den Blutstrom zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer.
Wenn eine Mitralklappe nicht richtig schließt, fließt Blut aus der Herzkammer zurück in den Vorhof, was zu dessen Erweiterung beiträgt und so Vorhofflimmern begünstigt. Auch wenn die Mitralklappe sich nur unvollständig öffnet, kann sich das Blut im linken Vorhof stauen, was wiederum zur Erweiterung desselben beitragen und somit das Risiko für Vorhofflimmern erhöhen kann.
Durch eine Operation oder durch die Anwendung von minimal-invasiven Kathetertechniken kann die Funktion der Mitralklappe wiederhergestellt oder ein Klappenersatz eingesetzt werden.

Bluthochdruck
Bluthochdruck ist eine weit verbreitete Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Ähnlich wie beim Vorhofflimmern steigt das Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken, mit dem Alter an. Im Alter bis 29 Jahre weisen ca. 10 % der Bevölkerung einen Bluthochdruck auf, im Alter von bis zu 64 Jahren beträgt die Rate ca. 30 %, und im noch höheren Alter zwischen 50 % und 60 %. Etwa 70 % der Patienten mit Vorhofflimmern haben gleichzeitig auch Bluthochdruck.
Bluthochdruck führt zu einer dauerhaften Überlastung des Herzens. Mit dieser Überlastung gehen nachteilige Veränderungen auf Zellebene einher: Herzmuskelzellen werden zerstört und durch Bindegewebe ersetzt, das Narben bildet. Diese Narbenbildung stört den natürlichen Erregungsablauf, der ein abgestimmtes Pumpverhalten des Herzens steuert.
Bluthochdruck ist auch ein Risikofaktor für Herzschwäche, Schlaganfall und andere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Deshalb muss auf die Blutdrucksenkung durch geeignete Medikamente ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Gegebenenfalls müssen mehrere verschiedene Medikamente, die sich in der Wirkung ergänzen, kombiniert werden, damit der Zielblutdruck erreicht werden kann.
Koronare Herzerkrankung
Die Herzkranzarterien sind Blutgefäße, die für die Versorgung des Herzmuskels mit nährstoff- und sauerstoffreichem Blut sorgen. Sind Herzkranzarterien krankhaft verengt, wird von einer koronaren Herzerkrankung (KHK) gesprochen. Eine koronare Herzerkrankung findet sich bei mehr als 20 % der Patienten mit Vorhofflimmern.
Akutes Koronarsyndrom
Unter dem Begriff akutes Koronarsyndrom (ACS) werden in der klinischen Praxis die instabile Angina, der akute Herzinfarkt und der plötzliche Herztod zusammengefasst. Der akute Herzinfarkt lässt sich anhand von speziellen Laborwerten feststellen. Das EKG kann hierbei zusätzlich Veränderungen zeigen oder aber unverändert bleiben.
Das typische Erkennungsmerkmal sind akute Schmerzen im Brustkorb, die auch in Schultern, Arme, Rücken oder den Kieferbereich ausstrahlen können. Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Schwächeanfall, blasse Gesichtsfarbe und kalter Schweiß können auch auftreten.
Das akute Koronarsyndrom ist eine lebensbedrohliche Folge der Arteriosklerose, umgangssprachlich auch als Arterienverkalkung bezeichnet. Auslöser ist in den meisten Fällen ein lokales Blutgerinnsel, das sich an krankhaft veränderten Wandbereichen, sogenannten Plaques, der Herzkranzgefäße bildet. Wird durch ein solches Gerinnsel die Arterie verstopft, ist die Blutversorgung des dahinterliegenden Herzmuskels so eingeschränkt, dass es zum Herzinfarkt kommt.
Mit Angina Pectoris wird ein anfallsartiges Engegefühl verbunden mit starken Schmerzen in der Brust umschrieben. Es geht auf eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels zurück. Oft treten mit diesem Engegefühl brennende oder reißende Schmerzen in der Herzgegend auf, die auch in Hals, Arme oder Unterbauch ausstrahlen können. Stress oder körperliche Belastung sind im Stande, die Symptome auszulösen oder zu verstärken. Bei der Ruheangina (instabile Angina Pectoris) treten diese Symptome bereits bei geringer Belastung oder in Ruhephasen auf. Bei anhaltenden Durchblutungsstörungen kann sich ein Herzinfarkt entwickeln.
Risiko und Folgen
Der Schlaganfall als Folgeerkrankung eines Vorhofflimmerns ist besonders gefürchtet, weil die Patienten oft daran sterben oder massive Behinderungen zurückbehalten. Mit einer Vorhofflimmer-Erkrankung wächst das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, um das Fünffache im Vergleich zur Normalbevölkerung an.

Im Einzelfall variiert das Risiko jedoch und wird besonders vom Lebensalter, Geschlecht und Begleiterkrankungen beeinflusst. Im Alter unter 65 Jahren und ohne weitere Herzerkrankung oder andere Erkrankungen liegt das Risiko, innerhalb eines Jahres einen Schlaganfall zu erleiden, bei weniger als 1 %. Ältere Patienten mit zusätzlicher Herzerkrankung haben dagegen mit 6 % ein deutlich höheres Risiko für einen Schlaganfall. Diese Befunde stammen von Patienten, die, wie früher üblich, keine Blut verdünnenden Medikamente eingenommen hatten.
- Referenzenexpand_less
- 1Camm A.J., Kirchof P., Lip G.Y.H, et al. Guidelines for the management of atrial fibrillation. European Heart J. 2010;31:2369–2429
- 2Heeringa J, van der Kuip DAM, Hofman A et al. Prevalence, incidence and lifetime risk of atrial fibrillation: the Rotterdam study. Eur Heart J 2006;27:949–953.