Das Herz pumpt – und trotzdem liegt eine Herzschwäche vor

Wer von Herzinsuffizienz hört, denkt meist an ein Herz, das nicht mehr ausreichend pumpen kann. Bei der Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) ist das anders: Die Pumpfunktion bleibt weitgehend erhalten, dennoch kann das Herz den Körper nicht mehr ausreichend versorgen. Ursache ist meist eine verminderte Dehnbarkeit des Herzmuskels. 

Die linke Herzkammer kann sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen, wodurch der Druck im Herzen und in der Lunge ansteigt. HFpEF macht heute etwa die Hälfte aller Herzinsuffizienz-Fälle aus und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Rund 32 Millionen Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz haben eine linksventrikuläre Ejektionsfraktion von mindestens 40 %. Experten gehen davon aus, dass diese Patientengruppe künftig sogar den Großteil der hospitalisierten Herzinsuffizienz-Patienten ausmachen könnte.

 

HFpEF Abbildung

Wer ist besonders betroffen?

Das typische HFpEF-Patientenprofil unterscheidet sich deutlich von anderen Herzinsuffizienz-Formen. Betroffen sind häufig ältere, multimorbide Patientinnen und Patienten, bei denen mehrere Begleiterkrankungen gleichzeitig vorliegen. Besonders typisch sind Hypertonie, Adipositas, Typ-2-Diabetes, Vorhofflimmern und chronische Nierenerkrankungen. Diese Komorbiditäten sind nicht nur Risikofaktoren, sondern prägen auch das klinische Bild: Luftnot, Leistungsknick oder Ödeme können dadurch leicht anderen Ursachen zugeschrieben werden.

Gerade diese Überlappung macht HFpEF im Praxisalltag so anspruchsvoll. Die Erkrankung tritt häufig in einem kardio-renalen und metabolischen Risikoprofil auf: Herz, Nierenfunktion, Blutdruck, Gewicht, Glukosestoffwechsel und Herzrhythmus beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb reicht es bei Verdacht auf HFpEF nicht aus, nur das Leitsymptom Luftnot zu betrachten. Entscheidend ist der Blick auf die Kombination aus Beschwerden und Begleiterkrankungen.

Vor allem ältere Frauen erkranken überdurchschnittlich häufig an HFpEF. Da Beschwerden oft als normale Alterserscheinung oder Folge anderer Erkrankungen fehlinterpretiert werden, bleibt die Erkrankung nicht selten lange unerkannt.

 

H₂FPEF-Score: Unterstützung bei der Einordnung

Ein etabliertes Hilfsmittel ist der H₂FPEF-Score. Er bewertet typische Merkmale von HFpEF und hilft dabei, die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen der Erkrankung einzuschätzen.

Berücksichtigt werden unter anderem:

Icons HF2pEF Score
HF2pEF-Score

Je höher die erreichte Punktzahl, desto wahrscheinlicher ist das Vorliegen einer HFpEF.

Warum ist HFpEF so gefährlich?

HFpEF ist mit hoher Mortalität und Hospitalisierungsraten verbunden. Studien zeigen eine 5‑Jahres-Mortalität von rund 57 % bei HFpEF-Patientinnen und -Patienten nach einer ersten Herzinsuffizienzepisode. Zudem kann jede herzinsuffizienzbedingte Hospitalisierung das kardiovaskuläre Sterberisiko verdoppeln. Deshalb gewinnen die frühe Erkennung und Behandlung der Erkrankung zunehmend an Bedeutung.