ECR 2026 – GBCA sind für die Bildgebung von Hirntumoren unverzichtbar

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Ein ausführlicher Review zeigt den Nutzen von gadoliniumhaltigen Kontrastmitteln in der MRT bei Hirntumoren bei Erwachsenen. Fabio Doniselli, Italien, beschränkte sich bei seinem ECR- Vortrag auf die fünf häufigsten soliden und benignen Hirntumoren. 

Präsentationstag:

05.03.2025

Autor:

biho/ktg

Sprecher:

Fabio Doniselli, Mailand

Quelle:

ECR 2026 - How 1

Fazit

Gadoliniumhaltige Kontrastmittel sind unverzichtbar für die Beurteilung von stabilen und benignen Hirntumoren und für die Verlaufskontrolle. Die gemeinsam verfasste Publikation von GREC (Gadolinium Research and Education Committee) und ESNR (European Society of Neuro-Radiology) liefert keine hohe Evidenz gegen die Nutzung von GBCA und ebenso keine hohe Evidenz für das Ersetzen von GBCA .

 

Metastasen

Hirnmetastasen sind die häufigsten intrakraniellen Tumoren bei Erwachsenen. Es gibt eine steigende Prävalenz bei Primärtumoren, die eine Früherkennung von Metastasen notwendig machen. Zudem nimmt die Anzahl an Therapien zu, die eine Beurteilung des Behandlungserfolgs erfordern. 

Doniselli empfiehlt die Standarddosis an GBCA und eine Kombination aus 3D T1 GRE (Gradient-Echo) und TSE (Turbo Spin-Echo) Sequenzen. Neurochirurg:innen bevorzugen die GRE-Sequenz für die präoperative Bildgebung; diese liefert eine gute Kontrastierung zwischen Tumor und angrenzenden vaskulären Strukturen. Die TSE-Sequenz ist sensitiver im Erkennen von kleinen Läsionen, zeigt jedoch ein erhöhtes Risiko für falsch positive Befunde.
Zur Reduzierung von Artefakten sei die Black Blood-Darstellung empfohlen.

Doniselli fasste zusammen:

  • Maximale Kontrastaufnahme vier bis acht Minuten nach GBCA-Gabe
  • T2-Messung unmittelbar nach Kontrastmittelgabe und vor der 3D T1 Sequenz
  • Bildrekonstruktion mit MIP (maximale Intensitätsprojektion)

 

Gliome

Gliome sind häufig durch aggressives Wachstum und schlechte Prognose gekennzeichnet. Der operativen Behandlung folgt eine Chemotherapie und/oder Bestrahlung. Doniselli empfiehlt auch hier die Standarddosis an GBCA für Diagnose und für das Monitoring aller Gliom-Typen. 

Auch wenn Grad 1-Gliome mit einer geringen Rezidivrate einhergehen und einige kaum Kontrastmittel anreichern, gibt es in der Literatur keine ausreichende Evidenz, um auf GBCA zu verzichten, so Doniselli. Weder Radiomics noch die KI-gestützte Auswertung unkontrastierter Bilder zeigen hier überzeugende Ergebnisse.

 

Meningeome und Schwannome

75% der Standarddosis eines makrozyklischen GBCA mit hoher Relaxivität sind ausreichend, um die vaskulär gut abgrenzbaren Meningeome und Schwannome darzustellen. An Donisellis Klinik in Mailand wird die Kontrastmitteldosis abhängig vom Gewicht des Patienten bzw. der Patientin berechnet.

Bei Meningiomen und Schwannomen ist eine kontrastverstärkte Bildgebung zur initialen Beurteilung und zur frühen postoperativen Kontrolle – bei Schwannomen auch nach Radiotherapie – innerhalb von zwei Jahren angezeigt. Im Therapieverlauf empfiehlt Donaselli ebenfalls GBCA-verstärkte Bildgebung. So werden Resttumor und Rezidive frühzeitig erkannt.

In bestimmten Szenarien kann auf GBCA verzichtet werden, so wie bei Routine-Follow-Up-Untersuchungen von Meningeomen des WHO Grades 1 und 2. Eine hochauflösende 2D- oder 3D-T2-gewichtete Sequenz liefert vergleichbare Informationen zur kontrastverstärkten 3D T1-gewichteten Sequenz. 

Kein GBCA ist notwendig für das Screening von Schwannomen bei asymptomatischen Patient:innen, beim Routine-Follow-Up von unbehandelten Schwannomen oder im langfristigen postoperativen Follow Up.

Hypophysenadenome

Zur Initialuntersuchung der Hypophysenadenome sind 50% der Standarddosis eines makrozyklischen GBCA ausreichend, so Donasellis Erfahrung. Sowohl Mikro- als auch Makroademone können gut dargestellt werden. Dynamische Sequenzen sind für die Darstellung der Mikroadenome unverzichtbar; bei Makroadenomen hilft das GBCA zur Beurteilung der Tumorausdehnung. 

Auch für die prä- und frühe postoperative Bildgebung innerhalb von zwei Jahren ist die kontrastverstärkte MRT angezeigt, um Resttumor oder Rezidive festzustellen. 

Nicht notwendig ist eine kontrastverstärkte Bildgebung bei nicht operierten Makroadenomen – hier genügt eine hochaufgelöste T1- oder T2-gewichtete Sequenz in sagittaler und koronarer Ebene. 
Auch bei Patient:innen, die während des Follow Ups innerhalb von zwei Jahren nach einer Behandlung keine Auffälligkeiten in der kontrastverstärkten Bildgebung gezeigt haben, muss kein GBCA eingesetzt werden.


    • 1
      Doniselli FM et al. Recommendations on the use of gadolinium-based contrast agents in the diagnosis and monitoring of common adult intracranial tumours. Eur Radiol 35, 7774–7785 (2025). https://doi.org/10.1007/s00330-025-11646-6