RSNA 2025 – Kardiale CT zur Risikoabschätzung bei Rauchern

Präsentationstag: | 4.12.2025 |
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Autor: | kf/ktg |
Sprecher: | Nora Kerkovits, Harvard Medical School, Boston/MA, USA |
Quelle: | RSNA 2025, M1-SSCA03-2 |
Die strukturellen Schäden im Koronar-Endothel von Rauchern erhöhen deren MACE-Risiko statistisch signifikant. Ausschlaggebend ist vor allem die Plaquelast, wobei auch das Plaquevolumen eine Rolle spielt. Bei Rauchern empfehle sich daher eine umfassende Bildgebung zur Risikoeinschätzung – auch komplexe Bildgebungsverfahren sollten in Betracht gezogen werden, so Nora Kerkovits, Boston, USA.
Die Ergebnisse stammen aus einer Subgruppenanalyse der PROMISE Studie: Kerkovits et al. haben untersucht, wie Rauchen, CT-Charakteristika koronarer Plaques und schwerwiegende unerwünschte kardiale Ereignisse zusammenhängen.
Die Auswirkungen von Rauchen auf die Gesundheit der Weltbevölkerung sind immens: Pro Jahr werden rund 7,69 Millionen Todesfälle auf Rauchen zurückgeführt. Kerkovits et al. haben nun aus PROMISE 4.402 Personen mit stabilem Brustschmerz und analysierbarer kardialer CTA identifiziert:
- 51% (n=2.252) davon mit Rauchen in der Anamnese
- 49% (n=2.150) lebenslange Nichtraucher
Diese Population wurde im Mittel 26 Monate nachverfolgt (IQR: 18-34 Monate). Primärer Endpunkt war MACE, definiert als Kombination aller Todesursachen, nicht-fatalem Myokardinfarkt und Hospitalisierung wegen instabiler Angina pectoris.
Qualitative und quantitative Bewertung
Die Plaques in der kardialen CTA wurden qualitativ und quantitativ bewertet.
Qualitative Parameter
- Calcium-Score
- Grad der Stenosierung (0%, 1-29%, 30-49%, 50-69%, ³70%)
- High-Risiko-Plaques
- Positives Remodeling
- ringförmig höhere periphere Abschwächung bei gleichzeitig geringer zentraler Abschwächung (Napkin-Ring-Zeichen)
- geringe Abschwächung (>30HU)
- Leaman-Score (angiographischer Schweregrad-Score koronarer Herzkrankheit, der über Ort, Ausmaß und Schwere der Koronarstenosen eine Prognoseeinschätzung ermöglicht)
Quantitative Parameter
- Plaquevolumen (mm3)
- Plaquelast (%)
- Total, kalzifiziert (³350 HU), nicht-kalzifiziert, geringe Abschwächung
Ergebnisse
Bei Patient:innen mit stabilem Brustschmerz war Rauchen unabhängig korreliert mit spezifischen Koronarplaque-Parametern: hoher Kalziumscore, Hochrisiko-Plaques (HRP), obstruktive Erkrankung und hoher Leaman-Score.
Bis auf geringe Abschwächung bei der Plaquelast waren alle quantitativen Parameter bei Raucher:innen signifikant höher, beim Plaquevolumen im Vergleich zu Nichtraucher:innen sogar bis zu 5-mal.
Die Unterschiede bestanden auch nach Adjustierung für demographische Faktoren und kardiovaskuläre Risikofaktoren. Die Tatsache, dass die Raucher:innen-Population insgesamt initial niedrigere Plasmalipidwerte aufwies als die Vergleichsgruppe, unterstreicht diesen Befund weiter.
Klinische Konsequenz
Das MACE-Risiko war in der Raucher:innen-Population 74% höher als in der Vergleichsgruppe (adjustierte Hazard Ratio 1,74). Plaques können als eine Art indirekter Parameter zwischen Rauchen und MACE gelten, so Kerkovits.
Die Daten zeigen außerdem, dass das MACE-Risiko nur dann signifikant erhöht war, wenn sich die Plaquelast und -volumen oberhalb des Medians dieser Parameter befanden. Der Grund dafür ist unklar. Die Medikation der Patient:innen hatte keinen Einfluss auf die Ergebnisse.
Die Ursprungsstudie PROMISE hatte zwei Strategien zur KHK-Abklärung bei über 10.000 Patienten mit Brustschmerz und Verdacht auf eine KHK mit mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit verglichen. 4996 Patienten hatten eine kardiale CTA als Primärdiagnostik erhalten, 5007 Patienten einen Funktionstest (Myokardszintigrafie, Stressechokardiografie oder Belastungs-EKG). PROMISE zeigte die Gleichwertigkeit der kardialen CTA gegenüber den vorher dominierenden Funktionstests.
