RSNA 2025 – Gen Z: Was der Nachwuchs von der Radiologie fordert

Präsentationstag: | 4.12.2025 |
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Autor: | kf/ktg |
Sprecher: | Nadine Bayerl, Erlangen; Gregory Postel, University of Cincinnati; Jenny Vo-Phamli, Columbia University, New York; Michel Eisenblätter, Med. Fakultät Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, Deutschland |
Quelle: | RSNA 2025, S1-RCP12 |
Unter „Gen Z“ fallen Personen der Jahrgänge von ungefähr 1997 bis 2012, also die meisten Ärzt:innen in Weiterbildung und die Medizinstudierenden.
Erfahrung Lehre: Selbstbestimmt lernen, KI nutzen, schneller zum Facharzt
Die Gen Z bevorzugt asynchrones und experimentelles Lernen, zum Beispiel über digitale Lernplattformen. „Wir können von Glück reden, wenn 50 Prozent der Studierenden in die Vorlesung kommen“ so Gregory Postel, University of Cincinnati, USA.
Diese Entwicklung muss die Lehre mitgehen. Es besteht aber die Gefahr, dass die Fähigkeit verloren geht in Teams zu lernen und zu arbeiten – diese Fähigkeit sei für den Berufsalltag später aber eine Voraussetzung, so Postel.
Dass die Gen Z als „digital Natives“ gut mit Künstlicher Intelligenz vertraut ist, erweist sich als Plus; allerdings sei in der Lehre weiter darauf zu achten, Radiologie so zu vermitteln, dass die Studierenden die KI auch mit allen ihren Fehlern einschätzen können.
Postel empfiehlt angehenden Ärzt:innen zudem Forschungsrotationen als Teil ihrer Ausbildung, um frühzeitig Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln.
Er hält eine Verkürzung der Facharztausbildung auf drei Jahre für möglich, um dem Personalnotstand entgegenzuwirken. Das Problem sei seit Jahrzehnten bekannt, aber die Radiologie habe sich nicht darum gekümmert. „Viele hätten zwar gerne, dass Alles beim Alten bleibt, wir müssen aber flexibel auf die vielen Veränderungen reagieren“, so Postel.
Erfahrung Gen Z: Motivieren, iterativ Lernen, Feedback-Schleifen
Jenny Vo-Phamli, Mitglied der RSNA Medical Student Task Force und Medizinstudentin an der Columbia University, New York, USA, bestätigte die Vorliebe für digitales, iteratives Lernen: Die Vermittlung von Wissen geschieht über Videos, danach durchläuft jede:r für sich die Simulationsübungen.
Allerdings ist die direkte Wissensvermittlung damit nicht vom Tisch, die Anforderungen an die Lehrenden sind aber gestiegen. „Wir sind mit guten Lehrenden auf YouTube aufgewachsen“, so Vo-Phamli. „Gut“ bedeutet motivierende Lehrende, einen iterativen Lernprozess und immer wieder Feedback-Schleifen. Als Beispiel für die Integration von motivierendem digitalem und Vor-Ort Lernen nannte sie das Verschicken einer täglichen „klinischen Lern-Perle“ abends per Gruppenchat.
Über eine direkte Umfrage in ihrem Umfeld in den USA hat sie drei Parameter der Studierenden aus der Gen Z identifiziert:
1. Sie sind
2. erwarten eine
3. wollen
Im Kampf um die besten Köpfe sind diejenigen Universitäten und Arbeitgeber im Vorteil, die diese Wünsche direkt adressieren – beispielsweise über transparente Nennung von Ressourcen zur Förderung von körperlichem und geistigem Wohlbefinden („wellness policies“).
Erfahrung Klinikmanagement: Selbst ausbilden, Vielfalt bieten, Mentoring
Michel Eisenblätter, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Fakultät Ostwestfalen-Lippe, Bielefeld, brachte die Perspektive des Krankenhausmanagements ins Spiel. Bei allen Ansprüchen der Gen Z sei ein Klinikum vor allem der Patient:innenversorgung verpflichtet. Gute Versorgung funktioniere jedoch nur mit sehr gutem Personal. „Die einfachste Variante, um das zu erreichen, ist unser Personal selbst auszubilden“, so Eisenblätter.
Um Nachwuchsradiolog:innen aus der Gen Z am eigenen Haus zu halten, sind vier Punkte besonders relevant:
Dazu gehört zum Beispiel die Integration von Online-Lernplattformen und virtuellen Lernmodulen ins universitäre Curriculum. An der Medizinischen Fakultät Ostwestfalen-Lippe sind zudem dreimonatige Rotationen in unterschiedlichen Bereichen Teil der strukturierten Ausbildung. Kontinuierliches Feedback durch Mentoren ist gewährleistet.
Die Kollaboration zwischen Universität, kleineren Krankenhäusern und Niedergelassenen sorgt für Einblick in unterschiedliche Versorgungsbereiche. Zu den Niedergelassenen kommen die am weitesten fortgeschrittenen Nachwuchsradiolog:innen, so dass die Kollaboration auch den Praxen nutzt.
Dieser Wunsch sei keineswegs neu, so Eisenblätter. Da die Rekrutierung von Ärzt:innen für die Radiologie Kliniken inzwischen enorm herausfordert und Assistentärzt:innen wählerisch sein können, müssen sich Kliniken mit den Anforderungen ihrer potenziellen Arbeitskräfte auseinandersetzen.
Karriereplanung bedeutet nicht allein die Entwicklung hin zu einer bestimmten beruflichen Position, sondern auch die Einbindung persönlicher Ziele, zum Beispiel Familienplanung.
