RSNA 2025 – BI-RADS Version 2025 – Was ist neu für die MRT?

Teaser RSNA 2025

Version 6 des BI-RADS Manual – die wichtigsten Änderungen fasste eine Präsentation auf dem RSNA 2025 zusammen.

Präsentationstag:

3.12.2025

Autor:

mh/ktg

Sprecher:

Wendy B. DeMartini

Quelle:

RSNA 2025,  M3-CBR09

Nach mehrjähriger Überarbeitung – und über 30 Jahre nach der ersten Version – ist im Dezember 2025 die 6. Version des BI-RADS Manual erschienen. Herausgeber ist das American College of Radiology.

Die Neuerungen für die Mamma-MRT präsentierte Wendy B. DeMartini, Professorin am Stanford University School of Medicine. Die Mamma-Bildgebung ist Hauptgegenstand ihrer Forschung. 

Überarbeitete Parameter für die Akquisition

  • Das
    vollständige Protokoll
    für die kontrastverstärkte MRT als Standard ist definiert als: üblicherweise mindestens zwei Sequenzen nach Gabe des Kontrastmittels (KM).
  • Das
    verkürzte Protokoll
    für die kontrastverstärkte MRT ist definiert als: Akquisitionszeit von weniger als zehn Minuten bei mindestens einer Sequenz nach KM-Gabe. 

Schnellere Techniken
arbeiten mit sehr früh akquirierten Serien mit hoher zeitlicher Auflösung. Zum Teil erfolgen mehrere Akquisitionen schon vor dem Zeitpunkt, der bislang "initiale Akquisition" bezeichnet wurde. Die frühen Akquisitionen nach Kontrastmittelgabe (60-120 Sek) heißen nun "initial" statt bisher "früh".

DWI 
gilt als wichtige Ergänzung zur dynamischen kontrastverstärkten Bildgebung. Das neue BI-RADS Manual bietet aktuell noch keine Guidelines für die DWI-Befundung, daher empfehlen DeMartini et al., das Klassifikationssystem des EUSOBI International Consensus Statement zu nutzen.

Neuerungen im BI-RADS-Lexikon

Das Lexikon definiert, wie Gewebeeigenschaften und Befunde optimal zu beschreiben sind. Dies sind einige der wesentlichen Neuerungen: 

‚Fokus’ als Befundtyp abgeschafft: 
„Die Verwendung des Terminus ‚Fokus’ in verschiedenen Praxen und in der Literatur war bislang sehr heterogen“, so DeMartini. Daher soll er als Befundtyp nicht länger verwendet werden.
 

Zudem seien nahezu alle winzigen Punkte, die KM anreichern, gutartig, so DeMartini. Dass sie in der Regel keinen Eingang in den Befund erhalten, sei angemessen. Für relevante KM-anreichernde Befunde ≤ 5 mm erlauben moderne Techniken die Charakterisierung als

  • kleine Raumforderung (erfüllt Kriterien einer Raumforderung)
  • kleines fokales NME (=Non-mass enhancement; erfüllt nicht die Kriterien einer Raumforderung)

Neue Deskriptoren für Form und Ränder von Raumforderungen
– Die MRT-Terminologie wird mit der anderer Bildgebungsmodalitäten in Übereinstimmung gebracht:

  • Hinzugekommen ist die Form „lobuliert“.
  • Bislang als „unregelmäßig“ (irregular) bezeichnete Ränder sollen künftig als „unklar“ (indistinct) bezeichnet werden.

Neue Deskriptoren für T2-Hyperintensität: 
Sowohl benigne als auch maligne, KM-anreichernde Raumforderungen können in T2-Sequenzen hyperintens sein. Geringe Wahrscheinlichkeit für Malignität (≤ 2 %) haben aber T2-hyperintense Raumforderungen, die oval und abgegrenzt sind und eine homogene interne KM-Anreicherung oder dunkle interne Septen aufweisen. Diese Merkmale sind im Befund zu beschreiben.

Eigener Abschnitt zu Lymphknoten: 
Neu hinzugekommen ist ein Abschnitt zum Thema Lymphknoten und wie sie beschrieben und lokalisiert werden sollten. Unterschiedliche Szenarien werden für die Befundung beispielhaft beschrieben.

Überarbeitet wurden die Abschnitte zur Lokalisation von Raumforderungen und zu Brust-Implantaten. 

Befundung – Aktualisierung der BI-RADS Kategorien 3, 4 und 6 

BI-RADS Kategorie 3 

Sie kann verwendet werden für T2-hyperintense, ovale, abgegrenzte Raumforderungen mit homogener interner KM-Anreicherung oder dunklen internen Septen, die nicht neu sind oder zunehmen.

Die Verwendung der Kategorie 3 bei anderen Befunden basiert weiterhin auf individueller und praktischer Erfahrung – hier sei Vorsicht geboten, so DeMartini.

Kategorie 3 sollte nicht bei Untersuchungen zum Ausmaß einer Krebserkrankung verwendet werden. In diesem Szenario sollte hochgestuft werden auf Kategorie 4A, so DeMartini.

BI-RADS Kategorie 4 

Für die Kategorie 4 wurden die Unterkategorien 4A – 4D eingeführt. Diese differenzieren nach Wahrscheinlichkeit des Malignitätsverdachts. Für Mammographie und Ultraschall war diese Unterscheidung bereits etabliert. 

BI-RADS Kategorie 6 

Kategorie 6 gilt für Befunde

  • mit bekannter, biopsiegesicherter Malignität,
  • vor lokaler Therapie,

selbst wenn an der Stelle keine KM-Anreicherung vorliegt.

Für den Umgang mit

zusätzlichen ipsilateralen Befunden
gibt es neue Empfehlungen: Ein typischer ipsilateraler Kategorie-6-Befund wäre eine angrenzende oder ausgedehntere, morphologisch meist gleichgeartete Raumforderung – diese wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls maligne.

Ebenfalls in Kategorie 6 gehören verdächtige zusätzliche nahe Befunde („additional close findings“, ACF), wenn sie folgende Kriterien erfüllen:

  • Abstand ≤ 2 cm von bekannter Malignität
  • Zunahme der Gesamtausdehnung ≤ 2 cm
  • Keine Änderung des klinischen Managements

Diese Raumforderungen erfordern eine vollständige Beschreibung einschließlich der Beziehungen zur BI-RADS 6 Indexläsion. Der Begriff "Satellit" sollte vermieden werden.


    Referenzen
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      Baltzer P et al.; EUSOBI international Breast Diffusion-Weighted Imaging working group. Diffusion-weighted imaging of the breast-a consensus and mission statement from the EUSOBI International Breast Diffusion-Weighted Imaging working group. Eur Radiol. 2020 Mar;30(3):1436-1450.